Tag Archives: poesie

Schiffbruch

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Wie Teelichter auf einem Fluss der Vergessenheit
entfernen sich die Wörter
sanft schaukelnd.
Langsam aber sicher
entgleiten sie uns;
unmöglich das Verweilen.
Im Streit der Gewässer
eilen sie flussabwärts,
sie geraten ins Schwanken,
manchmal erlischt das Licht, es riecht
nach flüssigem Wachs,
wenn sie umfallen 
besiegeln sie ihr Schicksal,
stummer Rauch steigt auf
und sie ertrinken.
Die Vergangenheit hat der Gegenwart
nichts zu sagen.
Allein die Zukunft glüht noch,
brüchig und schön wie das Unerreichbare.
Wie lange bevor sie in Dunkelheit versinkt,
weiß niemand.
Ein Kiel voller Löcher.
Von weit her nimmt man ein schwaches Flimmern wahr,
man sieht ihre flackernden Geister erleuchten
immer noch.
Wir bleiben zurück.
Manchmal kommen die Lichter an einer ruhigen Bucht stehen:
Dort, wo der turbulente Fluss einen Bogen macht
um eine riesige alte Eiche,
dort summen sie noch, die überlebenden,
dort geben sie Laute von sich,
sich gegenseitig suchend und gegenseitig
vermissend.
Ich sitze hier am Ufer und zähle
zähle
zähle
die kalten Sterne am Nachthimmel,
die vielleicht so gar nicht mehr existieren.

What language do you dream in?

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The brain is a funny thing. And funny things happen when your brain goes on vacation. I consider myself bilingual (Romanian and English) and I’ve been living in Germany for more than 15 years now, but never would I have thought that the German language would end up infiltrating… my dreams!

My dreams, yes. For the first time ever, I had a dream in German while I was at home in Romania, which makes it even stranger. And that’s not all. Not only did I dream in German, but I dreamt a whole poem in Goethe’s language! It ruined my sleep, of course, because I was so in awe, I had to make sure I could remember it well enough to jot it down in the morning. I managed to, but – alas! – only the second stanza. The first stanza (up to “Die Schienen…”) is a later addition (which, needless to say, has cost me a lot more effort and a couple of visits to the online dictionary), but the rest is entirely the creation of my subconscious.

So, here it is, I hope you like it:

Auf den Schmalspurzug wartend

Es wird Nacht in den Tälern

und ich muss wieder los.

Ein letzter Blick zum Himmel:

rosarot, erstarrt –

dann der Abstieg,

eine Haltestelle

und ich, alleine in der Unermesslichkeit,

auf den Schmalspurzug wartend.

Die Schienen sind alt, alt und holprig

wie die alten Steinwege der Bauern.

Hinter dem Abendnebel, der Berg,

schneebedeckt,

rutscht in die Abwesenheit.

Es ist spät.

Gott lässt sich nieder

auf der bettelnde Handfläche der Pinien.

Stille.

#poetry